Autor: Dr. Herwig Reidlinger
Zum 20-jährigen Jubiläum des Aufbaugymnasiums im Jahresbericht 1993/94 veröffentlicht.
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Rektor Dr. Johann Kurz |
Ein Zeitraum von 20 Jahren ist Anlass genug, auf die Anfänge unserer Schule zurückzublicken. Ich möchte aber auch die Tatsache in Erinnerung rufen, dass die Entstehung unseres Aufbaugymnasiums eng mit der Geschichte des Eb. Seminar Hollabrunn verbunden ist, das am Ende des Schuljahres 1991/92 den Internatsbetrieb eingestellt hat.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten im Eb. Seminar Hollabrunn bis 1965 über 200 Studenten. Die Seminaristen stellten damals ziemlich genau 50% der Schüler des Bundesgymnasiums Hollabrunn. In den folgenden Jahren kam es zu einem deutlichen Rückgang. Die Zahl der Seminaristen sank auf etwa 180 ab. Verschärft wurde die Situation durch die hohe Zahl der Studienabbrecher. Im Schuljahr 1972/73 gab es in der 8. Klasse nur fünf Seminaristen. Die Vorstehung des Eb. Seminars suchte nach Lösungsmöglichkeiten. Es bot sich die Oberstufenform eines Gymnasiums an. Man erhoffte sich zusätzliche Studenten, die nach dem Besuch der Hauptschule ins Seminar eintreten konnten.
Am 7. Juli 1972 sandte der damalige Rektor des Eb. Seminars, Dr. Johann Kurz, an das Eb. Ordinariat in Wien ein Schreiben, das mit folgenden Worten beginnt: "Nach eingehender Beratung mit den übrigen Seminarvorstehern und Rel. Prof. Dr. Groër stelle ich den Antrag, die Erzdiözese möge im Seminar ein privates Musisch-Pädagogisches Realgymnasium errichten." Diese Schule sollte neben den Seminaristen auch externen Schülern offenstehen. Dr. Hans Groër war damals Religionsprofessor am Bundesgymasium Hollabrunn und wohnte im Eb. Seminar.
In der Ordinariatskonferenz am 24. November 1972, bei der Rektor Dr. Kurz anwesend war, wurde darüber beraten. Es wurde jedoch beschlossen, keine Privatschule zu errichten, sondern zu versuchen, dass der Bund in Hollabrunn ein Musisch-Pädagogisches Realgymnasium errichte. Der damalige Erzbischof von Wien, Kardinal Dr. Franz König, führte in den folgenden Monaten Gespräche mit Vertretern des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, die anfangs recht vielversprechend waren. Am 27. Juli 1973 kam in einem Brief an Kardinal Dr. König die Absage, dass an die "Errichtung eines Musisch-Pädagogischen Gymnasiums seitens des Landesschulrates für Niederösterreich oder des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst nicht gedacht wird." Es wurde jedoch auf die Möglichkeit hingewiesen, eine Privatschule zu errichten.
In einer Konferenz der Vorsteher mit Dr. Groër am 1. September 1973 wurde einstimmig der Beschluss zur Errichtung einer Privatschule gefaßt. Als Schultyp wurde das Aufbaugymnasium gewählt. Am 16. November 1973 war Rektor Dr. Kurz wieder bei der Ordinariatskonferenz anwesend. Dabei wurde auch über die Frage des zukünftigen Direktors gesprochen. Der damalige Bischofsvikar, Florian Kuntner, schlug Dr. Hans Groër vor. Abschließend wurde im Protokoll vermerkt, es herrscht "Konsens der Ordinariatskonferenz, das Projekt zu realisieren." In einem Schreiben vom 13. Dezember 1973 wurde Dr. Kurz durch Kardinal Dr. König zum dauernden Vertreter des Schulerhalters bestimmt.
Im Jahresbericht 1973/74 des Eb. Seminars Hollabrunn über das 1. Trimester stellte Rektor Dr. Kurz unter dem Titel "Eine neue Schule in Hollabrunn. Aufbaugymnasium der Erzdiözese Wien" diesen Plan der Öffentlichkeit vor. In den folgenden Wochen wurde auch die Frage der Direktion geklärt und Dr. Hans Groër zum Leiter bestimmt. Am 27. März 1974 wurde eine "Anzeige der Errichtung einer Privatschule" an den Landesschulrat für Niederösterreich geschickt. Am 18. April 1974 erfolgte in einem Schreiben des Landesschulrates an das Eb. Seminar die "Nichtuntersagung" der Errichtung einer Privatschule.
Am 25. April 1974 berichtete die Hollabrunner Heimatzeitung in einem Artikel mit der Überschrift "Vom Hauptschüler zur Matura" über die neue Schule. Möglichen Bedenken wollte man mit folgender Feststellung entgegentreten: "Die Aufbaugymnasien (siehe Horn) wollen keinesfalls die 8klassigen Mittelschulen verdrängen, sie wollen aber den 14jährigen nochmals die Gelegenheit geben, ein höheres Studium zu absolvieren."
Diese Feststellung konnte Bedenken bei den Lehrern des Bundesgymnasiums Hollabrunn nicht ausräumen, da man ein Abwandern der Seminaristen zum neuen Aufbaugymnasium befürchtete. Die Hollabrunner Heimatzeitung schrieb am 13. Juni 1974 über diesen Konflikt unter dem Titel "Aufbaugymnasium in Hollabrunn". Äußerst dramatisch heißt es dort: "Andererseits rechnet das Bundesgymnasium-Realgymnasium Hollabrunn bei Verlust des humanistischen Zuges mit einer lebensbedrohenden Schwächung der Schülerzahl."
Diese Befürchtung stellte sich als unbegründet heraus. Die Schülerzahlen des Bundsgymnasiums stiegen in den Folgejahren weiter an, die Zahl der Seminaristen blieb nach der Gründung des Aufbaugymnasiums noch einige Jahre konstant, ging dann aber beständig zurück. Bis zur Auflösung des Eb. Seminars haben ziemlich genau zwei Drittel der Seminaristen am Aufbaugymnasium und ein Drittel am Bundesgymnasium maturiert.
Genau zehn Jahre lang (bis zum Ende des Schuljahres 1983/84) blieb Dr. Kurz noch Rektor. Berichte über "unser Aufbaugymnasium" erschienen auch in den folgenden Jahresberichten des Eb. Seminars. Neben Direktor Dr. Hans Groër hat er in diesen Jahren ganz entscheidend das Aufbaugymnasium Hollabrunn mitgeprägt und dazu beigetragen, dass neben der Wissensvermittlung die umfassende Sorge um jeden einzelnen Schüler das Ziel der Schule war.
Quellen: Archiv des Aufbaugymnasiums, Protokolle der Ordinariatskonferenzen, Nachlass von Rektor Dr. Kurz, Jahresberichte des Eb. Seminars Hollabrunn, Hollabrunner Heimatzeitung.


