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Vorwort zum 10. Jahresbericht 1983/84



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Dr. Hans Hermann Groër


Zehn Jahre

Die erste „runde Zahl“, sicher noch kein Grund zum Feiern, und doch schon eine kleine Station, um ein wenig innezuhalten und zurückzuschauen! So meinte man auch im Schulgemeinschaftsausschuß, der 10. Jahresbericht des AG Hollabrunn solle ein wenig umfangreicher sein, als es seine Vorgänger waren.

Nach den zehn Jahren des Aufbauens und Anlaufens der ganzen Schulmaschinene gibt es nun die ersten Anzeigen von Sponsionen und Promotionen der ersten Maturajahrgänge. Wie in der Wirtschaft also auch in der Schule eine Art Recycling: Die Ehemaligen treffen sich und kehren wieder ein, wo sie als frischgebackene Maturanten mit freudiger Erleichterung auszogen.

Einer - wie die w. u. gegebenen Übersichten zeigen - schon beachtlich angewachsenen Zahl von Schülern und Abiturienten steht jetzt ein recht junges, akademisch graduiertes Lehrerkollegium gegenüber.

Diese 27 Seiten sollen Einblick geben, wie und was am AG Hollabrunn gearbeitet worden ist, - und jeder mag sich dabei selbst ein Urteil bilden, ob die Ergebnisse und Relationen annehmbar erscheinen oder nicht. Eines überrascht den Redakteur dieser Seiten jedenfalls immer wieder: Trotz Fehlens jedweder sogenannter Propaganda und Werbung äußern nicht wenige, sie hätten schon viel Gutes über das AG Hollabrunn gehört.

Eine gewisse Bedrohung scheint den allgemeinbildenden Schulen überhaupt, einem Aufbaugymnasium im besonderen, zur Existenzfrage zu werden: die Arbeitslosigkeit. Das gab es vor zehn Jahren noch nicht. Jetzt aber fragt man sich: Wozu (so viele) Maturanten? Wozu sollen Hauptschüler zur Matura geführt werden , wenn - wie die Zeitungen sich respektlos auszudrücken pflegen - eine Maturantenschwemme, eine Akademiker-schwemme, eine Lehrerschwemme, eine Arzteschwemme die Aussicht auf einen Posten nehmen und Arbeitslose förmlich erzeugen? Auch seriöse Blätter warnen vor der „Schwemme“, ohne den Sinn des Weges zur Matura aufzuzeigen. Demgegenüber wird klarzustellen sein, daß es nie genug Menschen mit einer guten allgemeinen Bildung geben kann. Für viele Bauern, Arbeiter, Handwerker, Angestellte, Selbständige wie Unselbständige wird es eine enorm vorteilhafte, bereichernde Lebenserfüllung sein, sich ein gutes, weites und tiefes Allgemeinwissen erworben zu haben. Daß ein Akademiker, ein Priester oder Arzt, ein Richter oder Ingenieur, ein Verwaltungsbeamter oder Erzieher - bei aller unmittelbar beruflichen Beanspruchung - es höchst schätzen muß, mehr zu sehen als nur seinen eigenen Berufssektor, ist klar. Daß aber auch viele andere Menschen aus den Tiefen der Bildung und Ausbildung leben und schöpfen sollen, muß doch noch viel deutlicher gesagt und empfohlen werden. Der Blick des Menschen kann nie weit und tief genug, der geistige Schatz nie groß genug sein. Es wäre sehr nötig, vielen das geistige Rüstzeug zu geben, daß sie in unserer so komplizierten Welt und in der so vielfachen Zerrissenheit des Heute im Geist wie im Herzen gebildet und befähigt, selbständig urteilen und leben können. Man wird jetzt erst recht bemüht sein müssen, vielen an den reichen Schätzen der geistigen und geistlichen Kultur Anteil zu geben. Und über aller Sorge um einen Posten,von dem man leben kann, wird heute - noch mehr als früher - die Sorge um das, woraus und wofür man lebt, zu stehen haben.

Wie immer am Schluß eines Schuljahres, gilt es erst recht am Ende dieses Dezenniums, Dank zu sagen. Unser Aufbaugymnasium hat heuer die letzten der vier Millionen zum Neubau des Tumsaales als Subvention erhalten, sie ist dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst zu danken. Dank sei dem Schulerhalter und dessen Vertreter, Prälaten Dr. Johann Kurz, für alle schon traditionelle Förderung, für alles Wohlwollen: Ohne den Herrn Seminardirektor gäbe es kein Dezennium. Möge der Herr ihm und allen Helfern und Wohltätern vergelten, was wir ihnen verdanken!


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