Dr. Hans Hermann Groër
Elf Zwanzigstel
oder: Das 1. Jahr des 2. Dezenniums
Der Beginn seines elften Lebensjahres war für das AG Hollabrunn von Trauer und Enttäuschung überschattet. Während der großen Ferien hat uns der Tod den ehemaligen Musiklehrer Professor Walter Lehner entrissen. Mit Rücksicht auf sein an Verdiensten und Wirksamkeit weithin so reiches Leben sandten wir an alle Pflichtschulen und allgemeinbildenden höheren Schulen Niederösterreichs eine Parte, die, von vielen Seiten bedankt, uns herzliche Anteilnahme einbrachte. Zudem traf uns die Nachricht vom tragischen Tod des Abiturienten Josef Ernst (Jg. 1980). So mußten wir bald nach dem Eröffnungsgottesdienst in einem Requiem der beiden Verstorbenen gedenken.
Dazu gab es noch eine bittere Enttäuschung: Einige Neuaufgenommene hatten sich im letzten Moment abgemeldet, sodaß es nur e i n e 5. Klasse geben durfte. Jeder Kenner der Schulorganisation kann ermessen, welche Probleme sich da stellten.
Und dann stand noch ein großer Abschied bevor: Die gesamte Seminarvorstehung, d. i. Prälat Dr. Johann Kurz, Kanonikus Dr. Franz Sotola, Kons. Rat Eduard Deim und Geistl. Rat Karl Trapp, verließ ihre Wirkungsstätte und schied damit auch aus einer überaus hilfreichen langen Partnerschaft mit dem von ihr inituerten Aufbaugymnasium. Diesen Wechsel in der Führung des Seminars erleichterten uns vom ersten Tag an Rektor Herbert Samm, Spiritual Franz Ofenböck und Studienpräfekt Bernhard Mucha. Sie erfreuten uns schon bei der Eröffnungskonferenz mit ihrem Besuch und ließen uns ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit erkennen. Dabei ist es das ganze Schuljahr hindurch geblieben: zwei Kollegien in bester Einheit, eine unschätzbare Hilfe für die Schule!
Mit seinen wenigen (8) Maturanten-Jahrgängen hat das AG Hollabrunn noch keine organisierte Abiturienten-Runde. Umso größer war die Überraschung, daß so viele ehemalige Schüler ,,nachschauen" kamen und von ihrem Geschick erzählten, daß so viele Grüße und Wünsche zu den Festtagen und persönlichen Anlässen eintrafen. Die größte Freude bereitete uns freilich Elisabeth Liedel (geb. Peyrer-Heimstätt, Jg. 1984) mit ihrem und ihres Gatten Wunsch, ihr Sohn Patrick möge in der Schule getauft werden, und das im Rahmen einer hl. Messe. Für diese Feier bot sich die Mittagsstunde des letzten Schultages vor den Semesterferien an. Die Seminarkapelle vereinte mit der Familie und dem Paten des Täuflings Klassenkameraden der jungen Mama und die vom Schulschikurs daheimgebliebenen Schüler und Professoren. Erst drei Stunden später schloß das kleine „Cafe“ neben dem Konferenzzimmer seinen Betrieb, womit auch dieses schöne „AG-Familienfest“ sein Ende fand.
Recht positiv erscheint die Jahresbilanz der Aktivitäten der Klassensprecher. Mit seinem Team startete der Schulsprecher Johann Frohner (8) etliche nützliche, nette „Bürgerinitiativen“, die ihr Ziel erreichten.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte geriet das AG Hollabrunn sozusagen „in die Auslage“ der Schulen bzw. der AHS-Lehrerschaft Niederösterreichs durch die Betreuungslehrer. Je eine Woche lang weilten diese Professoren aus NÖ (bzw. Burgenland) am Pädagogischen Institut in Hollabrunn, um sich für ihren Dienst an den jungen Kollegen vorzubereiten. Je eine Gruppe stieg im Aufbaugymnasium ab, wo man Lehrstunden in Kath. Religion, Englisch, Mathematik, Physik und Französisch mit den dazugehörigen Beratungen durchführte. Die meisten Teilnehmer hatten von der Existenz des AG kaum gehört, - umso mehr bereitete die allgemeine Zufriedenheit mit unseren Schülern, mit der Disziplin und dem „Klima“ des Hauses, die herzliche Aufnahme im Kollegium, uns allen Freude.
Auf Wunsch der vorgesetzten Dienststelle und der Seminarvorstehung mußte die Schule dann noch ein zweites Mal ins Licht der Öffentlichkeit treten: Der 25. April sah Schüler und Lehrer gemeinsam mit den Bewohnern des Seminars in einer Feier versammelt, zu der sich Prominenz aus fern und nah, sogar eine Blaskapelle und der Motettenchor einfanden. Gottlob offenbarte aber auch dieser Markustag genug schlichte Kürze und Herzlichkeit. Alles in allem war es ein dankenswertes Zeichen, daß die Schule lebt und allgemein angenommen ist. Möge sie weiterhin zur Ehre Gottes wirken können, um die wir mit dem Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto zum Schluß dieses sehr verkürzten Schultages gebetet haben!
Von der Elterninformation in zwei Hauptschulen abgesehen (wo wir traditionsgemäß eingeladen worden waren), bedurfte es auch heuer keiner „Werbung“, - seit Neujahr 1985 stieg die Zahl der Aufnahmesuchenden an wie kaum sonst. Neben manchen Untergymnasiasten, die es in der 5. Klasse bei uns mit einem zweiten Start in Latein versuchen wollen, haben sich viele Hauptschüler angemeldet, um hier die Matura zu erobern. Die Eltern suchen für ihre Kinder einen Platz, wo es Schule und noch etwas mehr als Schule gibt. Die meisten meinten, sie hätten ihre Information von Bekannten und Freunden erhalten.
So ist es an uns Verantwortlichen, allen Dank zu sagen, die dem Aufbaugymnasium der Erzdiözese Wien in Hollabrunn durch Rat und Tat, durch Vertrauen und Förderung ihre Hilfe gewährten. Möge ihnen zur göttlichen Vergeltung hinzu auch die Freude zuteil werden, an einer guten Sache mitgewirkt zu haben!

